Lieferbedingungen · Handel mit Großbritannien
DDP, DAP oder EXW? Der Unterschied – und wer im UK-Handel Zoll und VAT zahlt
Seit dem Brexit entscheidet die vereinbarte Incoterms®-Klausel darüber, wer bei einer Lieferung zwischen der EU und Großbritannien die Ausfuhr anmeldet, wer die Einfuhr in Großbritannien abwickelt und wer britischen Zoll sowie Einfuhr-VAT (die britische Mehrwertsteuer) zahlt. Dieser Beitrag vergleicht EXW, FCA, DAP und DDP aus Sicht von Unternehmen in Deutschland und Österreich, die Waren nach Großbritannien liefern oder von dort beziehen.
Redaktion: easyclearance.pl (EN). Grundlage dieser deutschen Fassung ist die englische Ausgabe (veröffentlicht am 13. April 2026, aktualisiert am 16. Oktober 2026). Sie verweist auf die ICC-Regeln Incoterms® 2020, die HMRC-Hinweise auf GOV.UK und das Handels- und Kooperationsabkommen EU–UK.
Kurz erklärt: Der Unterschied zwischen DDP, DAP und EXW
Bedeutung der Kürzel: Die deutschen Bezeichnungen der Incoterms® 2020 lauten „ab Werk“ (EXW), „frei Frachtführer“ (FCA), „geliefert benannter Ort“ (DAP) und „geliefert verzollt“ (DDP). Mit VAT ist in diesem Beitrag die britische Mehrwertsteuer (Value Added Tax) gemeint; Umsatzsteuer und Einfuhrumsatzsteuer bezeichnen die Steuern in der EU.
- DAP (Delivered at Place, geliefert benannter Ort): Der Verkäufer liefert bis zur Adresse des Käufers. Der Käufer übernimmt die Einfuhrverzollung in Großbritannien und zahlt Zoll und Einfuhr-VAT. Für Ausfuhren nach Großbritannien wird DAP häufig empfohlen.
- DDP (Delivered Duty Paid, geliefert verzollt): Der Verkäufer übernimmt alles – einschließlich Einfuhrverzollung, Zoll und Einfuhr-VAT im Land des Käufers.
- EXW (Ex Works, ab Werk): Der Verkäufer stellt die Ware nur in seinem Lager bereit. Das ist für ihn die geringste Verantwortung, nach dem Brexit aber für beide Seiten das größte Risiko. Im grenzüberschreitenden Handel sollten Sie EXW vermeiden und FCA (Free Carrier, frei Frachtführer) als sichere Alternative prüfen.
Einen allgemeinen Überblick über die vier Regeln, den Gefahrübergang und die Vertragsvorbereitung finden Sie in unserem Beitrag Incoterms 2020 im UK-Handel: FCA, DAP, DDP und EXW. Hier geht es gezielt um die Frage, wer welche Kosten trägt und wie sich die Wahl auf Zoll, VAT und Zollwert auswirkt.
Was sind Incoterms – und warum sind sie seit dem Brexit so wichtig?
Incoterms (International Commercial Terms) sind 11 internationale Handelsklauseln der Internationalen Handelskammer (ICC). Die aktuellen Incoterms® 2020 legen fest, wer auf welchem Abschnitt der Lieferung – vom Lager des Verkäufers bis zur Adresse des Käufers – Kosten und Gefahr trägt.
Die gewählte Klausel steht zusammen mit dem Warenpreis auf der Handelsrechnung (Commercial Invoice). Der Code aus drei Buchstaben beantwortet fünf Fragen:
- Wer bezahlt den Transport – Verkäufer oder Käufer?
- Wer übernimmt die Zollabfertigung bei Ausfuhr und Einfuhr?
- Wer zahlt Zoll und VAT an der Grenze bzw. im Bestimmungsland?
- Wann geht die Gefahr vom Verkäufer auf den Käufer über?
- Wer versichert die Ware während des Transports?
Bis zum 31. Dezember 2020 war der Warenverkehr mit dem Vereinigten Königreich EU-Binnenhandel: keine Zollformalitäten, keine Zölle, keine Grenzverfahren. Incoterms betrafen damals vor allem Transport und Gefahrübergang. Seit dem 1. Januar 2021 ist Großbritannien ein Drittland. Jede Sendung braucht eine Ausfuhranmeldung in der EU und eine Einfuhranmeldung in Großbritannien (oder umgekehrt). Eine unpassende Klausel kann deshalb Wartezeiten an der Grenze, unerwartete Kosten oder Probleme mit der Umsatzsteuer nach sich ziehen.
EXW (Ex Works, ab Werk): minimale Pflichten für den Verkäufer
Bei EXW stellt der Verkäufer die Ware in seinem Lager bereit. Der Käufer organisiert und bezahlt alles Weitere: Verladung, Vorlauf im Inland, Ausfuhrabfertigung, internationalen Transport, Einfuhrverzollung, Zoll, VAT und Zustellung an den Bestimmungsort.
Wer zahlt was bei EXW?
- Verkäufer: stellt die Ware im eigenen Lager bereit – mehr nicht.
- Käufer: Verladung, Inlandstransport, Ausfuhrabfertigung, internationaler Transport, Versicherung, Einfuhrverzollung, Zoll, VAT und Transport bis zur Zieladresse.
Vorteile von EXW
- Minimale Verantwortung für den Verkäufer, einfache Preiskalkulation
- Der Käufer hat volle Kontrolle über Logistik und Transportkosten
Nachteile von EXW im Handel mit Großbritannien
- Keine Ausfuhranmeldung durch den Verkäufer: Der Käufer – ein ausländisches Unternehmen – müsste die Ausfuhr im Land des Verkäufers anmelden. Für ein britisches Unternehmen ist das in der Praxis nur schwer umsetzbar.
- Umsatzsteuerrisiko: Dem Verkäufer fehlen Belege, dass die Ware die EU verlassen hat. Ohne MRN (Movement Reference Number) aus der Ausfuhranmeldung kann das Finanzamt die steuerfreie Ausfuhrlieferung beanstanden. Mehr zur Referenz: Was ist eine MRN?
- Gefahr ab Bereitstellung: Der Käufer trägt die Gefahr, sobald die Ware zur Abholung bereitsteht. Schäden beim Verladen gehen zu seinen Lasten.
Praxishinweis: Die ICC sieht EXW eher für den Inlandshandel vor; im internationalen Handel ist meist FCA besser geeignet. Das gilt auch für Ausfuhren aus der EU nach Großbritannien: Der Verkäufer behält die Ausfuhrabfertigung in der Hand und erhält lückenlose Nachweise für die Umsatzsteuer.
Wann passt EXW?
Nur im Inlandshandel oder wenn der Käufer im Land des Verkäufers eine eigene Spedition und einen eigenen Zollvertreter hat. Im Handel zwischen der EU und Großbritannien praktisch nie.
FCA (Free Carrier, frei Frachtführer): die bessere Alternative zu EXW
Bei FCA übergibt der Verkäufer die Ware an einem vereinbarten Ort (z. B. Terminal oder Lager der Spedition) und erledigt die Ausfuhrabfertigung. Ab diesem Punkt gehen Gefahr und Kosten auf den Käufer über.
Wer zahlt was bei FCA?
- Verkäufer: Transport zum benannten Ort, Verladung (wenn im eigenen Betrieb), Ausfuhrabfertigung.
- Käufer: internationaler Transport, Versicherung, Einfuhrverzollung, Zoll, VAT, Transport zum Bestimmungsort.
Warum FCA bei Ausfuhren nach Großbritannien besser ist als EXW
- Der Verkäufer meldet die Ausfuhr an: Er hat die MRN und die Ausfuhrbelege und kann die steuerfreie Ausfuhrlieferung nachweisen.
- Der Käufer übernimmt die Einfuhr: Das ist naheliegend, denn er kennt die britischen Zollverfahren.
- Klarer Gefahrübergang: Mit der Übergabe an den Frachtführer geht die Gefahr auf den Käufer über.
Wenn Sie bisher EXW vereinbart haben, lohnt es sich, auf FCA umzustellen. Einen detaillierten Vergleich finden Sie in FCA und DAP im Detail (EN).
DAP (Delivered at Place, geliefert benannter Ort): Wer zahlt Zoll bei DAP?
Bei DAP trägt der Verkäufer alle Kosten und Gefahren des Transports bis zum vereinbarten Bestimmungsort (z. B. Lager des Käufers in Großbritannien). Der Käufer ist nur für die Einfuhrverzollung, den Zoll und die Einfuhr-VAT zuständig. Kurz: Bei DAP zahlt der Käufer Zoll und Einfuhr-VAT.
Wer zahlt was bei DAP?
- Verkäufer: Verladung, Inlandstransport, Ausfuhrabfertigung, internationaler Transport, Versicherung (optional), Transport bis zur Adresse des Käufers.
- Käufer: Einfuhrverzollung, Zoll, VAT, Entladung.
Vorteile von DAP
- Attraktiv für Exporteure: Sie liefern „bis vor die Tür“ – ein überzeugendes Angebot.
- Klare Aufteilung der Zollpflichten: Der Verkäufer meldet die Ausfuhr an, der Käufer die Einfuhr – jeder im eigenen Land.
- Der Käufer kontrolliert die Einfuhrkosten: Er weiß, welchen Zoll und welche VAT er zahlt, und kann die Einfuhr-VAT gegebenenfalls zurückfordern.
- Einfuhr-VAT liegt beim Käufer: Für die Einfuhr selbst müssen Sie sich als Verkäufer unter DAP in der Regel nicht in Großbritannien für die VAT registrieren. Prüfen Sie Ihre VAT-Position bei Verbrauchersendungen gesondert.
Nachteile von DAP
- Der Verkäufer trägt das Risiko von Transportverzögerungen bis zur Ablieferung.
- Erledigt der Käufer die Einfuhrformalitäten nicht, kann die Ware an der Grenze festhängen – die Gefahr liegt aber weiterhin beim Verkäufer.
- Die internationalen Transportkosten müssen in den Warenpreis einkalkuliert werden.
Wann passt DAP?
DAP wird für Ausfuhren aus der EU nach Großbritannien häufig empfohlen, insbesondere wenn
- Sie dem Käufer eine bequeme Lieferung von Tür zu Tür anbieten möchten,
- der Käufer einen eigenen Zollvertreter in Großbritannien hat (oder unsere Einfuhrverzollung (EN) nutzt),
- Sie keine Verantwortung für britischen Zoll und britische VAT übernehmen möchten.
DDP (Delivered Duty Paid, geliefert verzollt): Wer zahlt Zoll bei DDP?
DDP ist die Klausel mit der größten Verantwortung für den Verkäufer. Er trägt alle Kosten und Gefahren einschließlich Einfuhrverzollung, Zoll und Einfuhr-VAT im Land des Käufers. Der Käufer erhält die Ware „verzollt und versteuert“, ohne weitere Abgaben. Kurz: Bei DDP zahlt der Verkäufer Zoll und Einfuhr-VAT.
Wer zahlt was bei DDP?
- Verkäufer: Verladung, Transport, Ausfuhrabfertigung, internationaler Transport, Versicherung, Einfuhrverzollung, Zoll, Einfuhr-VAT, Transport bis zur Adresse des Käufers.
- Käufer: Entladung – sonst nichts.
Vorteile von DDP
- Maximaler Komfort für den Käufer – ideal für Kunden, die sich nicht mit Zollformalitäten befassen wollen.
- Wettbewerbsvorteil: Ein DDP-Angebot ist attraktiver als DAP, weil der Käufer die Gesamtkosten im Voraus kennt.
- Kontrolle über den Ablauf: Der Verkäufer steuert die gesamte Lieferkette.
Nachteile von DDP im Handel mit Großbritannien
- Britische VAT-Registrierung meist erforderlich: Um die Einfuhr in Großbritannien abzuwickeln und die VAT zu zahlen, muss sich ein Verkäufer aus der EU in der Regel im Vereinigten Königreich für die VAT registrieren. Das bedeutet zusätzlichen Aufwand und die Pflicht, britische VAT-Erklärungen abzugeben.
- Schwierige Rückforderung der VAT: Der Verkäufer zahlt die britische Einfuhr-VAT (20 %). Die Rückforderung ist aufwendig – über eine britische VAT-Erklärung oder ein Erstattungsverfahren für ausländische Unternehmen.
- Volles Kostenrisiko: Fällt der Zollsatz höher aus als kalkuliert, trägt der Verkäufer die Differenz.
- Komplexe Abgabenzahlung: Sie brauchen Kenntnis der Zollverfahren im Einfuhrland.
Wann passt DDP?
- wenn Sie eine britische VAT-Registrierung haben (oder planen),
- bei regelmäßigen, größeren Lieferungen nach Großbritannien,
- wenn Ihre britischen Kunden einen vollständigen Service ohne Zollformalitäten erwarten,
- im B2C-Onlinehandel – Verbraucher sollten bei der Paketannahme nicht von Zoll überrascht werden.
Bevor Sie DDP anbieten: Klären Sie Ihre Rolle bei der Einfuhr und Ihre VAT-Position. Ein Zolldienstleister kann die Vertretung übernehmen, hebt aber keine VAT-Registrierungs- oder Erklärungspflichten auf, die sich aus Ihren Lieferungen ergeben. Siehe die HMRC-Hinweise zur Zollvertretung (Englisch) und die VAT Notice 700/1 (Englisch).
Vergleichstabelle: EXW, FCA, DAP und DDP
Die Tabelle zeigt die Verteilung von Kosten und Pflichten zwischen Verkäufer (V) und Käufer (K) für vier im Handel mit Großbritannien gängige Klauseln:
| Position | EXW | FCA | DAP | DDP |
|---|---|---|---|---|
| Verladung im Lager | K | V | V | V |
| Inlandstransport (zum Hafen/Terminal) | K | V | V | V |
| Ausfuhrabfertigung | K | V | V | V |
| Internationaler Transport | K | K | V | V |
| Transportversicherung | K | K | V* | V |
| Einfuhrverzollung | K | K | K | V |
| Zoll | K | K | K | V |
| Einfuhr-VAT | K | K | K | V |
| Transport zur Adresse des Käufers | K | K | V | V |
| Entladung | K | K | K | K |
* Bei DAP ist eine Versicherung nicht vorgeschrieben. Da der Verkäufer aber bis zur Ablieferung die Gefahr trägt, sollte er die Ware in der Praxis versichern. V = Verkäufer, K = Käufer.
Entscheidungshilfe: Welche Incoterms-Klausel passt?
Für eine Lieferung zwischen der EU und Großbritannien helfen die folgenden Fragen bei der Vorauswahl. Den genauen Lieferort und die Pflichten vereinbaren Sie anschließend mit Ihrem Geschäftspartner. Das ersetzt nicht die Prüfung von Vertrag und Zollanforderungen. Warenbewegungen nach oder aus Nordirland sind gesondert zu beurteilen.
- Organisiert der Käufer den Haupttransport? Prüfen Sie FCA, wenn der Verkäufer die Ausfuhr anmeldet und die Ware an einem vereinbarten Ort an den Frachtführer des Käufers übergibt. Im eigenen Betrieb verlädt der Verkäufer; an einem anderen benannten Ort gelten andere Lieferbedingungen.
- Transportiert der Verkäufer bis zum Bestimmungsort und trägt bis dahin die Gefahr? Übernimmt der Käufer Einfuhrverzollung und Einfuhrabgaben, kommt DAP in Betracht: Geliefert wird entladebereit am benannten Ort.
- Will der Verkäufer auch die Einfuhrverzollung und die Einfuhrabgaben übernehmen? Erwägen Sie DDP erst, wenn geklärt ist, wer rechtlich als Einführer bzw. Anmelder auftreten kann, wie die Zollvertretung geregelt ist, wie die VAT behandelt wird und wie die Einfuhrabgaben bezahlt werden. Die Beauftragung eines Zolldienstleisters allein beseitigt die VAT-Pflichten des Verkäufers nicht. Entladen wird bei DDP normalerweise durch den Käufer.
- Schlägt der Verkäufer Abholung ohne Verladung und ohne Ausfuhranmeldung vor? Das ist EXW. Prüfen Sie vor einer grenzüberschreitenden Lieferung, ob der Käufer die Ausfuhrformalitäten erledigen kann und ob der Verkäufer die nötigen Ausfuhrnachweise erhält – und sprechen Sie FCA als Alternative an.
- Passt nichts davon? Prüfen Sie andere Regeln der Incoterms® 2020. Trägt der Verkäufer etwa die Frachtkosten bei früherem Gefahrübergang, kommen CPT oder CIP in Frage; entlädt der Verkäufer am Bestimmungsort, eher DPU. FAS, FOB, CFR und CIF gelten nur für den See- und Binnenschiffstransport. Ein Container auf der Fähre über den Ärmelkanal macht FOB nicht automatisch zur richtigen Wahl.
Vor der Auftragsbestätigung: Halten Sie Klausel, genauen benannten Ort oder Hafen und den Zusatz „Incoterms® 2020“ fest. Vereinbaren Sie Verladung und Entladung, den Umgang mit Verzögerungen an der Grenze und die Ausfuhrnachweise. Die Incoterms allein bestimmen weder die gesetzliche Zoll- oder VAT-Schuld noch den Eigentumsübergang oder das Recht zur Rückforderung der VAT.
Beispiel: Holt ein britischer Käufer die Ware in der EU ab, kann FCA am vereinbarten Ort in der EU sinnvoll sein. Liefert ein EU-Verkäufer an einen Käufer in Großbritannien, der die Einfuhr selbst abwickelt, kommt DAP am britischen Bestimmungsort in Betracht. Keines der Beispiele ist eine allgemeingültige Empfehlung. Grundlage: ICC-Leitfaden zur Wahl einer Incoterms-Regel (Englisch). Dies ist unsere eigene praktische Zusammenfassung, kein Ablaufschema der ICC.
Ausfuhr nach Großbritannien: Welche Incoterms wählen?
Wenn Sie Waren aus Deutschland, Österreich oder einem anderen EU-Land nach Großbritannien liefern, empfehlen wir folgende Reihenfolge:
Empfehlung 1: DAP
DAP wird für Ausfuhren nach Großbritannien häufig gewählt. Sie behalten die Ausfuhrabfertigung in der Hand (lückenlose Belege für die steuerfreie Ausfuhrlieferung), während der britische Käufer die Einfuhr übernimmt. Das ist die naheliegende Aufteilung: Jede Seite erledigt die Zollformalitäten im eigenen Land.
Empfehlung 2: FCA
Möchte der britische Käufer den Transport selbst organisieren, wählen Sie FCA. Sie übergeben die Ware an den Frachtführer, melden die Ausfuhr an, und der Käufer übernimmt den Rest. Ihr Transportrisiko sinkt.
Empfehlung 3: DDP (nur mit britischer VAT-Registrierung)
DDP ist ein Premium-Angebot. Wenn Sie in Großbritannien für die VAT registriert sind und regelmäßig liefern, kann DDP ein Wettbewerbsvorteil sein. Der Käufer erhält die Ware ohne Überraschungen.
Vermeiden Sie EXW bei der Ausfuhr. Sie haben keine Kontrolle über die Ausfuhrabfertigung und keine MRN, und das Finanzamt kann die Steuerfreiheit der Ausfuhrlieferung in Frage stellen. Das ist eine häufige Ursache für Steuerprobleme im Handel mit Großbritannien. Zur Ausfuhrabwicklung: Ausfuhr nach Großbritannien (EN).
Einfuhr aus Großbritannien in die EU: Welche Incoterms wählen?
Wenn Sie Waren aus dem Vereinigten Königreich beziehen, kehrt sich die Perspektive um – Sie sind der Käufer.
Empfehlung: DAP
Für den Einführer ist DAP meist am günstigsten. Der britische Verkäufer liefert bis zu Ihrer Adresse, und Sie übernehmen Einfuhrverzollung, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer. Das bringt Ihnen:
- Kontrolle über die Zollkosten: Sie wählen Zollvertreter und Verfahren selbst.
- Abzug der Einfuhrumsatzsteuer: sofern Sie im Einfuhrland zum Vorsteuerabzug berechtigt sind – klären Sie das mit Ihrer Steuerberatung.
- Sicherheit, dass die Ware ankommt: Der Verkäufer trägt das Transportrisiko.
Schlägt der britische Verkäufer EXW vor, verhandeln Sie mindestens FCA. Bei EXW müssten Sie die Abholung im britischen Lager, die Ausfuhranmeldung in Großbritannien (für ein EU-Unternehmen problematisch) und den gesamten Transport selbst organisieren. Mehr dazu: Zoll und VAT bei der Einfuhr aus UK (EN).
Wie Incoterms den Zollwert beeinflussen
Bei Einfuhren in die EU wirkt sich die gewählte Klausel direkt auf den Zollwert aus. Auf dem Zollwert wird der Zoll berechnet; die Einfuhrumsatzsteuer baut darauf auf. Viele Unternehmen übersehen diesen Punkt. (Für die Einfuhr nach Großbritannien gelten die britischen Bewertungsregeln von HMRC, die dieser Abschnitt nicht beschreibt.)
Vereinfacht gesagt ist der Zollwert bei der Einfuhr in die EU der gezahlte Warenpreis zuzüglich Transport- und Versicherungskosten bis zur EU-Zollgrenze (sogenannter CIF-Wert). Die Zollbehörde leitet den Zollwert unter Berücksichtigung der Incoterms aus dem Rechnungswert ab:
- EXW: Der Rechnungspreis enthält keinen Transport. Die Zollbehörde rechnet die Transportkosten bis zur EU-Grenze hinzu. Sie müssen die Frachtrechnungen vorlegen.
- FCA: Der Preis umfasst den Transport bis zum Frachtführer und die Ausfuhrabfertigung, nicht aber die internationale Fracht. Die Fracht bis zur Grenze wird hinzugerechnet.
- DAP: Der Rechnungspreis umfasst den Transport bis zur Adresse des Käufers. Die Transportkosten nach dem Überschreiten der EU-Grenze werden abgezogen, denn der Zollwert reicht bis zur Grenze, nicht bis vor die Tür.
- DDP: Der Rechnungspreis enthält alles, einschließlich Zoll und VAT. Zoll, VAT und Transportkosten nach der Grenze müssen herausgerechnet werden. Das erfordert eine genaue Dokumentation.
Praxistipp: Achten Sie bei Einfuhren unter DAP oder DDP darauf, dass die Handelsrechnung Warenpreis und Transportkosten klar getrennt ausweist. Das erleichtert die Ermittlung des Zollwerts und beschleunigt die Abfertigung. Mehr zur korrekten Rechnung: Handelsrechnung für UK.
Die häufigsten Fehler mit Incoterms im UK-Handel
- EXW ohne Ausfuhranmeldung: ein häufiger Fehler. Der Verkäufer wählt EXW, weil es „am einfachsten“ ist, meldet aber keine Ausfuhr an. Die Ware verlässt die EU ohne MRN, die Rechnung wird ohne Umsatzsteuer gestellt, und die Finanzverwaltung fordert später die Umsatzsteuer zuzüglich Zinsen nach.
- DDP ohne britische VAT-Registrierung: Der Verkäufer sagt DDP zu, ist aber in Großbritannien nicht für die VAT registriert. An der Grenze zeigt sich, dass er die Einfuhr nicht abwickeln kann. Die Sendung steht im Hafen, der Käufer ist unzufrieden, die Lagerkosten steigen.
- Widersprüchliche Klauseln in Rechnung und Vertrag: Auf der Rechnung steht DAP London, im Vertrag EXW mit dem Ort des Verkäufers. Im Streitfall herrscht Chaos. Achten Sie auf einheitliche Angaben in allen Dokumenten.
- Kein benannter Ort: Das Kürzel „DAP“ allein reicht nicht. Richtig ist z. B. „DAP 15 Baker Street, London, UK, Incoterms 2020“. Ohne genaue Adresse entsteht Streit darüber, wo die Verantwortung des Verkäufers endet.
- DAP mit DDP verwechseln: Beide Begriffe klingen ähnlich („delivered …“), der Unterschied ist aber grundlegend: Bei DAP zahlt der Käufer Zoll und VAT, bei DDP der Verkäufer. Eine Verwechslung kann unerwartete Kosten von mehreren tausend Pfund bedeuten.
- Versicherung vergessen: Bei DAP trägt der Verkäufer die Gefahr bis zur Ablieferung, eine Versicherung ist aber nicht vorgeschrieben. Ohne Police bedeutet ein Transportschaden einen Verlust für den Verkäufer.
- Veraltete Incoterms-Fassung: Die Incoterms 2020 gelten seit dem 1. Januar 2020. Ältere Fassungen (2010, 2000) bleiben wirksam, wenn die Parteien sie ausdrücklich vereinbaren, können aber zu Missverständnissen führen. Schreiben Sie immer „Incoterms 2020“ dazu.
Häufige Fragen zu DDP, DAP und EXW
Was ist der Unterschied zwischen DAP und DDP?
Bei DAP liefert der Verkäufer bis zur Adresse des Käufers, der Käufer übernimmt aber Einfuhrverzollung, Zoll und VAT. Bei DDP übernimmt der Verkäufer alles – auch Einfuhrverzollung, Zoll und VAT. DAP heißt „geliefert, aber nicht verzollt“, DDP „geliefert, alles inklusive“.
Wer zahlt den Zoll bei DAP?
Bei DAP zahlt der Käufer den Zoll und die Einfuhr-VAT. Der Verkäufer trägt die Transportkosten bis zur Adresse des Käufers, die Einfuhrformalitäten und die damit verbundenen Abgaben bleiben beim Käufer. Mehr dazu: Wer zahlt Zoll und VAT? (EN)
Wer zahlt Zoll und Einfuhr-VAT bei DDP?
Bei DDP (Delivered Duty Paid, geliefert verzollt) zahlt der Verkäufer Zoll und Einfuhr-VAT; er übernimmt auch die Einfuhrverzollung im Bestimmungsland. Der Käufer entlädt die Ware nur. Voraussetzung ist, dass der Verkäufer die Einfuhr in Großbritannien rechtlich abwickeln kann (siehe nächste Frage zur britischen VAT-Registrierung).
Brauche ich für DDP nach Großbritannien eine britische VAT-Registrierung?
In den meisten Fällen ja. Um die Einfuhr in Großbritannien abzuwickeln und die VAT zu zahlen, braucht ein ausländisches Unternehmen in der Regel eine britische VAT-Registrierung. Manche Zolldienstleister können Waren für ein ausländisches Unternehmen abfertigen, das erfordert aber zusätzliche Vereinbarungen.
Kann ich EXW bei der Ausfuhr nach Großbritannien verwenden?
Technisch ja, in der Praxis ist es aber sehr riskant. Bei EXW melden Sie die Ausfuhr nicht selbst an, haben keine MRN und können die Ausfuhr womöglich nicht nachweisen (steuerfreie Ausfuhrlieferung). Nach den ICC-Hinweisen eignet sich EXW eher für den Inlandshandel; im internationalen Handel ist FCA meist die bessere Wahl.
Welche Incoterms eignen sich für den Onlinehandel nach Großbritannien?
Für B2C-Sendungen an Verbraucher empfehlen wir DDP – Endkunden sollten bei der Paketannahme nicht von Zoll oder VAT überrascht werden. Für B2B-Sendungen reicht meist DAP, weil Unternehmen an die Zollabfertigung gewöhnt sind.
Wie wirken sich Incoterms auf den Rechnungspreis aus?
Die Klausel legt fest, was im Preis enthalten ist. Bei EXW nur die Ware, bei DAP Ware und Transport bis zur Adresse, bei DDP Ware, Transport, Zoll und VAT. Dieselbe Sendung hat je nach Klausel einen anderen Rechnungspreis.
Sind Incoterms gesetzlich vorgeschrieben?
Nein. Incoterms sind Handelsregeln der ICC, keine Gesetze. Ihre Verwendung ist freiwillig, im internationalen Handel aber allgemein üblich. Fehlt die Klausel auf der Rechnung, kann Streit über die Verteilung von Kosten und Gefahr entstehen. Auch die Zollbehörden erwarten die Angabe auf der Handelsrechnung.
Kann man die Incoterms nach Vertragsabschluss ändern?
Ja, wenn beide Parteien zustimmen (Vertragsänderung). In der Praxis kommt das etwa vor, wenn sich zeigt, dass der Verkäufer die Einfuhr nicht abwickeln kann (DDP → DAP).
Aktueller Stand
Die Incoterms 2020 gelten seit dem 1. Januar 2020. Die ICC-Regeln ändern sich zwischen zwei Ausgaben nicht, die Zollvorschriften in Großbritannien und der EU können sich jedoch ändern. Die englische Vorlage gibt den Rechtsstand vom April 2026 wieder. Prüfen Sie aktuelle Anforderungen immer in den offiziellen Quellen.
Offizielle Quellen
- ICC: Incoterms 2020 (Englisch) — Internationale Handelskammer
- GOV.UK: International trade paperwork – the basics (Englisch) — HMRC
- Handels- und Kooperationsabkommen EU–UK (Englisch) — Europäische Kommission
- GOV.UK: Rules of origin (Englisch) — HMRC
- GOV.UK: Zollvertretung beauftragen (Englisch) — HMRC
- GOV.UK: VAT Notice 700/1 (Englisch) — HMRC
Unsicher, welche Lieferbedingung passt?
Beschreiben Sie Ware, Route, Lieferrichtung und die geplante Incoterms-Klausel. Fragen zu einem konkreten Vorgang können Sie über die Kontaktseite (EN) an easyclearance.pl richten – für die Ausfuhrabfertigung wie für die Einfuhrverzollung. Den passenden Leistungsumfang und die Verfügbarkeit klären Sie direkt mit dem Team.
Ausfuhrabfertigung (EN) · Einfuhrverzollung (EN) · Kontakt über WhatsApp
Hinweis: Die Informationen dienen der allgemeinen und operativen Orientierung. Sie ersetzen keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung. Stimmen Sie die Wahl der Incoterms mit Ihrem Logistikpartner oder Zolldienstleister ab.