Vorschriften · Vereinigtes Königreich
BTOM Großbritannien: Grenzkontrollen und SPS-Kontrollen bei der Einfuhr von Waren
Das Border Target Operating Model (BTOM) legt fest, welche Unterlagen, Kontrollen und Verfahren gelten, wenn Waren nach Großbritannien eingeführt werden. Nach dem Brexit hat das Vereinigte Königreich mit dem BTOM ein eigenes System für Grenzkontrollen eingeführt, das an die Stelle der zuvor innerhalb der Europäischen Union geltenden Verfahren getreten ist. Für Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der übrigen EU, die nach Großbritannien liefern, bedeutet das neue formale Anforderungen, zusätzliche Kontrollen und mögliche Verzögerungen an der Grenze.
Redaktion: easyclearance.pl (EN). Deutsche Fassung der englischen Ausgangsseite (Originalfassung veröffentlicht am 18. Februar 2026, aktualisiert am 4. März 2026). Zeitachse und Risikokategorien wurden anhand der offiziellen GOV.UK-Seiten aktualisiert; geprüft im Oktober 2026.
Dieser Beitrag erklärt, was das BTOM ist, welche Waren unter hohes, mittleres und niedriges Risiko fallen, wann Sie ein Gesundheitszeugnis brauchen und wie Sie vermeiden, dass Ihre Ladung an der Grenze festgehalten wird. Das BTOM gilt für Großbritannien (England, Schottland und Wales); für Nordirland gelten andere Regeln, die hier nicht behandelt werden.
Sie brauchen Hilfe bei der Sicherheitsanmeldung oder der GMR für eine laufende Sendung? Informationen finden Sie auf unserer Seite ENS- und GMR-Unterstützung (EN), oder Sie schreiben uns über die Kontaktseite (EN).
Was ist das Border Target Operating Model (BTOM)?
Das Border Target Operating Model ist der Rahmen, den die britische Regierung nach dem Brexit für die Grenzkontrollen bei eingeführten Waren geschaffen hat. Die endgültige Fassung wurde am 29. August 2023 veröffentlicht und wird laut GOV.UK seit Ende Januar 2024 schrittweise eingeführt. Das BTOM umfasst die Sicherheitskontrollen für alle Einfuhren sowie die gesundheitlichen und pflanzengesundheitlichen Kontrollen (SPS-Kontrollen) für lebende Tiere, tierische Erzeugnisse, Pflanzen und pflanzliche Erzeugnisse.
Das BTOM regelt unter anderem:
- welche Waren kontrolliert werden,
- welche Unterlagen erforderlich sind,
- wo und wann die Kontrollen stattfinden,
- welche Folgen Verstöße gegen die Anforderungen haben.
Warum wurde das BTOM eingeführt?
Vor dem Brexit war das Vereinigte Königreich Teil des EU-Binnenmarkts, Waren bewegten sich frei und ohne Zollkontrollen. Seit dem Brexit ist das Vereinigte Königreich ein Drittland, und damit wurden vollständige Grenzkontrollen notwendig. Das BTOM soll:
- die britische Grenze vor Schmuggel, gefährlichen Waren sowie Tier- und Pflanzenkrankheiten schützen,
- sicherstellen, dass Waren britische Normen erfüllen (etwa UKCA, UK REACH und die UK Timber Regulation),
- den Übergang für Unternehmen beherrschbar machen, indem die Anforderungen schrittweise eingeführt werden.
In der Praxis bringt das BTOM neue Unterlagen (ENS, Pflanzengesundheitszeugnisse, Veterinärbescheinigungen), neue Kontrollen (Dokumenten-, Nämlichkeits- und Warenkontrollen) und Konsequenzen bei Nichteinhaltung der Regeln mit sich.
BTOM-Zeitachse: die wichtigsten Schritte
- 29. August 2023: Veröffentlichung des endgültigen BTOM.
- Ende Januar 2024: Beginn der schrittweisen Einführung.
- 30. April 2024: Laut GOV.UK unterliegen Einfuhrsendungen tierischer Erzeugnisse ab diesem Datum Nämlichkeitskontrollen und physischen Kontrollen. Für EU-Waren über Häfen an der Westküste können laut BTOM abweichende Einführungstermine gelten.
- 31. Januar 2025: Sicherheitsanmeldungen (ENS) werden für Waren Pflicht, die aus der EU nach Großbritannien eingeführt werden.
Das BTOM und die zugehörigen Leitlinien werden regelmäßig angepasst. Prüfen Sie die aktuellen Termine deshalb immer auf GOV.UK: The Border Target Operating Model (auf Englisch).
BTOM-Grenzkontrollen in Großbritannien: die wichtigsten Bausteine
1. ENS: die Sicherheitsanmeldung
Seit dem 31. Januar 2025 ist für Waren, die aus der EU nach Großbritannien gelangen, eine ENS (Entry Summary Declaration, summarische Eingangsanmeldung) erforderlich. Die ENS ist eine Sicherheitsanmeldung, die abgegeben werden muss, bevor die Waren britisches Gebiet erreichen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag ENS-Anmeldung für Großbritannien.
2. Pflanzengesundheitliche Kontrollen (Pflanzen und pflanzliche Erzeugnisse)
Für Pflanzen und pflanzliche Erzeugnisse wie Obst, Gemüse, Zierpflanzen und Holz können je nach Risikokategorie folgende Anforderungen gelten:
- ein Pflanzengesundheitszeugnis (phytosanitary certificate),
- eine Kontrolle an einer dafür benannten Grenzkontrollstelle (Border Control Post, BCP).
Die Waren können festgehalten werden, bis die Kontrollen abgeschlossen sind. Die Risikokategorie einzelner Pflanzen und pflanzlicher Erzeugnisse finden Sie in den Risikokategorien für Pflanzen im Plant Health Portal von Defra (auf Englisch). Versenden Sie Waren auf Holzpaletten, lesen Sie auch unseren Beitrag zu den Anforderungen an Holzpaletten.
3. Veterinärkontrollen (Tiere und tierische Erzeugnisse)
Für Waren tierischen Ursprungs wie Fleisch, Milcherzeugnisse, Fisch und lebende Tiere gelten je nach Risikokategorie:
- ein Gesundheitszeugnis (Veterinärbescheinigung), ausgestellt von der zuständigen Behörde im Ursprungsland (bei mittlerem und hohem Risiko),
- eine Voranmeldung in IPAFFS (Import of Products, Animals, Food and Feed System) vor der Ankunft,
- die Einfuhr über eine für das Erzeugnis benannte Grenzkontrollstelle, an der Dokumenten-, Nämlichkeits- und Warenkontrollen stattfinden können.
4. Zollkontrollen (Zoll und Einfuhrumsatzsteuer)
Für alle Waren, die nach Großbritannien eingeführt werden, sind erforderlich:
- eine Einfuhranmeldung (import declaration) mit MRN; mehr dazu in unserem Beitrag MRN im UK-Zollverfahren,
- die Zahlung von Zöllen, soweit sie anfallen,
- die Abrechnung der Umsatzsteuer, regulär oder über Postponed VAT Accounting (PVA).
5. Einhaltung britischer Normen (UKCA, UK REACH, UKTR)
Für manche Waren gelten britische Produktvorschriften:
- UKCA (EN) (UK Conformity Assessed): unter anderem für Elektronik, Maschinen und Spielzeug,
- UK REACH: für Chemikalien,
- UKTR (UK Timber Regulation): für Holz und Holzerzeugnisse.
Welche Risikokategorien gibt es im BTOM?
Das BTOM teilt SPS-Waren (lebende Tiere, tierische Erzeugnisse, Pflanzen und pflanzliche Erzeugnisse) nach ihrem Risiko ein. Für Tiere und tierische Erzeugnisse aus der EU beschreibt GOV.UK die Kategorien so:
| Kategorie | Gesundheitszeugnis | IPAFFS-Voranmeldung | Kontrollen |
|---|---|---|---|
| Hohes Risiko | Ja | Ja, vor der Ankunft | Warenkontrollen (physische Kontrollen) und Nämlichkeitskontrollen |
| Mittleres Risiko | Ja | Ja, vor der Ankunft | Dokumenten-, Nämlichkeits- und Warenkontrollen möglich; die Häufigkeit unterscheidet sich je nach Unterkategorie |
| Niedriges Risiko | Nein (aber ein Handelsdokument des Lieferanten) | Ja, vor der Ankunft | Keine routinemäßigen Kontrollen; Kontrollen bleiben bei einem konkreten Risiko möglich |
Die Sendung muss über eine Eingangsstelle mit einer für das Erzeugnis benannten Grenzkontrollstelle nach Großbritannien gelangen. Zu welcher Kategorie Ihr Erzeugnis gehört, steht in der GOV.UK-Liste der Risikokategorien für Tiere und tierische Erzeugnisse (auf Englisch). Für Pflanzen und pflanzliche Erzeugnisse gilt die eigene Einstufung von Defra (siehe oben).
Und Waren außerhalb von SPS, etwa Möbel oder Elektronik?
Industriewaren wie Möbel, Elektronik und Textilien fallen nicht unter die SPS-Risikokategorien. Für sie gelten die üblichen Zollformalitäten bei der Einfuhr nach Großbritannien, die ENS und, wo einschlägig, die britischen Produktvorschriften. Auch hier kann der Zoll eine Sendung kontrollieren.
Wie vermeide ich Verzögerungen an der britischen Grenze?
Für Exporteure aus Deutschland, Österreich und der übrigen EU
- Prüfen Sie die Risikokategorie Ihrer Waren anhand des BTOM und der Risikolisten auf GOV.UK und im Plant Health Portal.
- Bereiten Sie die erforderlichen Unterlagen vor: eine Handelsrechnung (commercial invoice), Zeugnisse (Pflanzengesundheit, Veterinär), soweit nötig, und eine Ursprungserklärung, wenn Sie Zollpräferenzen nach dem TCA nutzen.
- Stellen Sie sicher, dass Ihr britischer Kunde eine GB-EORI-Nummer hat: Ohne EORI-Nummer (GB) kann der Einführer die Zollabfertigung nicht durchführen.
- Arbeiten Sie mit einem Zollagenten zusammen, der bei der Einfuhranmeldung und der ENS hilft.
Für Frachtführer
- Registrieren Sie sich in GVMS und erstellen Sie vor der Ankunft in Großbritannien eine GMR-Nummer.
- Achten Sie auf vollständige Unterlagen: ENS, Zollanmeldung (MRN) und, wo nötig, Zeugnisse.
- Planen Sie zusätzliche Zeit für Kontrollen ein: Eine Warenkontrolle kann mehrere Stunden oder Tage dauern.
Für Einführer in Großbritannien
- Registrieren Sie sich für die britische Umsatzsteuer, wenn Sie regelmäßig einführen.
- Beantragen Sie eine GB-EORI-Nummer.
- Prüfen Sie Postponed VAT Accounting (PVA), damit Sie die Umsatzsteuer nicht an der Grenze zahlen müssen.
Häufige Fragen zum BTOM
Was ist das Border Target Operating Model (BTOM)?
Das Border Target Operating Model (BTOM) ist der Rahmen der britischen Regierung für Grenzkontrollen bei Waren, die nach Großbritannien eingeführt werden. Es regelt risikobasiert die Sicherheitskontrollen für alle Einfuhren sowie die gesundheitlichen und pflanzengesundheitlichen (SPS) Kontrollen für lebende Tiere, tierische Erzeugnisse, Pflanzen und pflanzliche Erzeugnisse.
Gilt das BTOM auch für Ausfuhren aus Großbritannien?
Nein. Das BTOM betrifft Einfuhren nach Großbritannien. Für Ausfuhren aus dem Vereinigten Königreich gelten andere Verfahren.
Welche Waren brauchen ein Gesundheitszeugnis für die Einfuhr nach Großbritannien?
Tierische Erzeugnisse der BTOM-Kategorien mittleres und hohes Risiko brauchen ein Gesundheitszeugnis der zuständigen Behörde im Ursprungsland. Tierische Erzeugnisse mit niedrigem Risiko brauchen kein Gesundheitszeugnis, wohl aber eine Voranmeldung in IPAFFS. Ob Pflanzen und pflanzliche Erzeugnisse ein Pflanzengesundheitszeugnis brauchen, hängt von ihrer Risikokategorie ab.
Gilt das BTOM auch für Kuriersendungen?
Ja, aber Kurierdienste wie DHL, FedEx und UPS arbeiten mit eigenen Verfahren. Wenn Sie Waren per Kurier versenden, fragen Sie beim Kurierdienst nach, welche Anforderungen gelten.
Kann ich eine Warenkontrolle vermeiden?
Niemand kann garantieren, dass keine Kontrolle stattfindet. Sie können das Risiko von Verzögerungen aber senken: Achten Sie auf korrekte Unterlagen, arbeiten Sie mit einem Zollagenten zusammen und prüfen Sie vorab die Risikokategorie Ihrer Waren.
Was passiert, wenn meine Ladung zur Kontrolle festgehalten wird?
Die Waren bleiben an der Grenzkontrollstelle (Border Control Post), bis die Kontrollen abgeschlossen sind. Das kann mehrere Stunden oder Tage dauern. Der Frachtführer kann zusätzliche Standgelder berechnen.
Ändert sich das BTOM noch?
Ja. Die britische Regierung passt das BTOM und die zugehörigen Leitlinien regelmäßig an. Prüfen Sie deshalb vor jeder Sendung die aktuellen Informationen auf GOV.UK.
Wie unterstützt easyclearance.pl?
Beratung zum BTOM
Unser Team kann Ihnen helfen,
- festzustellen, welche BTOM-Anforderungen für Ihre Waren gelten,
- die erforderlichen Unterlagen vorzubereiten (ENS, Zeugnisse),
- die Logistik mit Blick auf mögliche Kontrollen zu planen.
Koordination der Zollabfertigung
Wir koordinieren die Zollabfertigung in Großbritannien und stimmen mit Ihnen ab, wer als Einführer auftritt und welche GB-EORI-Nummer dafür verwendet wird.
Unterstützung bei einer Kontrolle
Wird Ihre Ladung zur Kontrolle festgehalten, kann unser Team
- Kontakt mit der Border Force aufnehmen, um die Lage zu klären,
- bei der Vorbereitung zusätzlicher Unterlagen helfen,
- sich mit Frachtführer und Einführer abstimmen.
Gut zu wissen: easyclearance.pl ist eine im Vereinigten Königreich ansässige Zollagentur. Wir übernehmen Zollabfertigungen in Großbritannien, einschließlich der BTOM-Verfahren. Muss die Sendung auch in Polen oder einem anderen EU-Mitgliedstaat abgefertigt werden, koordinieren wir das über unser Netzwerk lokaler Partner.
Zusammenfassung
Das Border Target Operating Model (BTOM) ist das britische System für Grenzkontrollen nach dem Brexit. Die wichtigsten Punkte:
- Seit dem 31. Januar 2025 ist eine ENS für Waren Pflicht, die aus der EU nach Großbritannien eingeführt werden.
- SPS-Waren werden in hohes, mittleres und niedriges Risiko eingeteilt, jeweils mit eigenen Anforderungen.
- Tierische Erzeugnisse mit mittlerem oder hohem Risiko brauchen ein Gesundheitszeugnis; alle drei Kategorien verlangen eine IPAFFS-Voranmeldung.
- Gute Vorbereitung verringert Verzögerungen: Anforderungen prüfen, Unterlagen vollständig halten und mit einem Zollagenten zusammenarbeiten.
Was die aktuellen offiziellen Leitlinien in der Praxis bedeuten
Für die operative Abwicklung sollten Sie die aktuellen Verfahrensregeln, Anmeldefelder und Voraussetzungen immer direkt in den offiziellen Leitlinien prüfen. Für dieses Thema sind das die unten genannten Seiten von GOV.UK und HMRC.
Offizielle Quellen
- GOV.UK: Safety and security declarations – Sicherheitsanmeldungen bei der Einfuhr (auf Englisch) – GOV.UK / HMRC, 2026-03-04
- GOV.UK: Get a goods movement reference – GMR erhalten (auf Englisch) – GOV.UK / HMRC, 2026-03-04
- GOV.UK: Goods Vehicle Movement Service (auf Englisch) – GOV.UK / HMRC, 2026-03-04
- GOV.UK: Moving goods between Great Britain and the EU – Warenverkehr zwischen Großbritannien und der EU (auf Englisch) – GOV.UK / HMRC, 2026-03-04
- GOV.UK: The Border Target Operating Model (auf Englisch)
- GOV.UK: Risk categories for animal and animal product imports to Great Britain (auf Englisch)
- Defra Plant Health Portal: TOM risk categorisations (auf Englisch)
Unterstützung beim BTOM
Sie führen Waren nach Großbritannien ein und brauchen Hilfe bei den BTOM-Anforderungen? Beschreiben Sie Ware, Route und den Stand Ihrer Unterlagen über die Kontaktseite (EN) – unser Team hilft bei der Vorbereitung der Unterlagen und bei der Zollabfertigung in Großbritannien.
Hinweis: Die Informationen dienen der allgemeinen und operativen Orientierung und beruhen auf den oben genannten offiziellen Hinweisen von GOV.UK, HMRC und Defra. Sie sind keine verbindliche Auskunft der Behörden und ersetzen keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung. Prüfen Sie die Voraussetzungen für Ihre konkrete Ware, Route und Ihr Verfahren.