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Produktleitfaden · Handel mit dem Vereinigten Königreich

Kfz-Teile nach Großbritannien verkaufen: Leitfaden für Zulieferer

Zulieferer aus der EU können Kfz-Teile und Maschinenkomponenten in Großbritannien oft zollfrei verkaufen. Voraussetzung sind die richtige Warennummer, ein belegter Präferenzursprung und klare Rollen bei der Einfuhr.

Redaktion: easyclearance.pl. Quellen für diese deutsche Fassung geprüft im Oktober 2026.

Checkliste mit drei Prüfpunkten für den Verkauf von Kfz-Teilen nach Großbritannien: Warennummer, Ursprung und Einführer.
Ausgewählte Punkte aus dem Artikel. Details und Voraussetzungen im vollständigen Beitrag. · Grafik vergrößern

Dieser Leitfaden richtet sich an Hersteller und Zulieferer von Kfz-Teilen und Maschinenkomponenten aus Deutschland und Österreich, die an Werke, Händler oder Werkstätten in Großbritannien liefern. Er zeigt die Schritte vom Zolltarif bis zur Einfuhrumsatzsteuer. Den allgemeinen Ablauf jeder Lieferung beschreibt unser Grundlagenartikel Export nach England: Was ist zu beachten?.

Kurz erklärt: Was ist beim Verkauf von Kfz-Teilen nach Großbritannien wichtig?

  • Jede Lieferung braucht eine Ausfuhranmeldung in der EU und eine Einfuhranmeldung in Großbritannien.
  • Der Zollsatz hängt von der britischen Warennummer ab. Prüfen Sie ihn im UK Trade Tariff.
  • 0 % Zoll gibt es nur, wenn das Teil die Ursprungsregeln des Handels- und Kooperationsabkommens EU–UK (TCA) erfüllt.
  • Mehrwegverpackungen wie Gitterboxen und KLT brauchen eine eigene zollrechtliche Lösung.
  • Bei Just-in-Time-Lieferungen müssen Daten, Rollen und GMR vor der Abfahrt feststehen.

Schritt 1: Warennummer und Zollsatz im UK Global Tariff bestimmen

Am Anfang steht die richtige Warennummer (Commodity Code). Viele Teile und Zubehör für Kraftfahrzeuge gehören in Kapitel 87, typischerweise in die Position 8708. Maschinenkomponenten, Motoren oder elektrische Bauteile können dagegen in Kapitel 84 oder 85 fallen. Die Einreihung richtet sich nach der Beschaffenheit und Funktion des Teils, nicht nach dem Kundennamen.

Den britischen Drittlandszollsatz (UK Global Tariff) prüfen Sie im UK Trade Tariff. Übernehmen Sie keine Sätze aus Foren oder älteren Angeboten. Eine Anleitung zur Suche finden Sie im Artikel Zolltarifnummer für England finden.

Schritt 2: Präferenzursprung nach dem EU-UK-Handelsabkommen belegen

Kfz-Teile aus der EU sind in Großbritannien nur dann zollfrei, wenn sie präferenziellen EU-Ursprung haben. In der Automobilindustrie stammen Vormaterialien oft aus Asien oder Amerika. Dann reicht „Made in Germany“ allein nicht aus.

  • Listenregel prüfen: Für jede Warennummer gilt eine produktspezifische Regel. Bei vielen Fahrzeugteilen ist das ein Wertkriterium: Vormaterialien ohne Ursprung dürfen einen bestimmten Anteil am Ab-Werk-Preis nicht überschreiten (MaxNOM).
  • Kalkulation dokumentieren: Halten Sie Stücklisten, Einkaufspreise und Lieferantenerklärungen bereit.
  • Kumulierung nutzen: Vormaterialien mit britischem Ursprung können bei der Ursprungsberechnung angerechnet werden.
  • Ursprung nachweisen: Üblich ist eine Erklärung zum Ursprung auf der Handelsrechnung. Für höherwertige Sendungen brauchen EU-Ausführer dafür eine REX-Nummer. Alternativ kann der britische Einführer die Präferenz auf Grundlage eigener Kenntnisse (Importer’s Knowledge) beantragen.

Wird die Listenregel nicht erfüllt, gilt das Teil zollrechtlich als Ware ohne Präferenzursprung. Dann fällt der volle britische Zollsatz an. HMRC erläutert die Grundlagen unter Check your goods meet the rules of origin. Den Wortlaut der Erklärung zeigt unser Artikel REX-Ursprungserklärung: Wortlaut für Großbritannien; Hintergründe stehen unter Zollpräferenzen nach dem TCA.

Schritt 3: UKCA oder CE bei Fahrzeugteilen und Zubehör?

Laut britischer Regierung erkennt Großbritannien die CE-Kennzeichnung weiterhin an, neben oder anstelle der UKCA-Kennzeichnung. Das gilt für die Produktbereiche, die unter diese Regelung fallen. Für einige Bereiche gelten Sonderregeln, zum Beispiel für Bauprodukte und Medizinprodukte. Quelle: Using the UKCA marking.

Die Leitlinie nennt Kfz-Teile nicht ausdrücklich. Viele Fahrzeugteile unterliegen eigenen fahrzeugtechnischen Vorschriften. Klären Sie deshalb mit Ihrem britischen Kunden, welche Konformitäts- oder Genehmigungsnachweise er für das konkrete Teil verlangt. Für Maschinen, elektrische Betriebsmittel oder Zubehör, das unter die UKCA-Regeln fällt, prüfen Sie die passende Produktverordnung. Mehr dazu: UKCA-Kennzeichnung und CE.

Schritt 4: Mehrwegverpackungen (Gitterboxen, KLT) zollrechtlich behandeln

Kfz-Teile reisen oft in Mehrwegbehältern. Melden Sie diese nicht bei jeder Fahrt als normale Ein- und Ausfuhr an. Das erzeugt unnötige Abgaben und Abstimmungsaufwand.

  • Vorübergehende Verwendung: HMRC führt wiederverwendbare Verpackungen, Behälter und Paletten unter den Waren, die mündlich in die vorübergehende Verwendung (Temporary Admission) überführt werden können. Mündliche Anmeldungen sind laut HMRC an RoRo-Standorten wie Dover und Eurotunnel jedoch nicht möglich. Stimmen Sie das Verfahren daher vorab mit dem Standort ab. Quelle: Import goods temporarily.
  • Rückwaren: Für zurückkehrende Verpackungen kann eine Befreiung als Rückware in Betracht kommen. Die Voraussetzungen sind im Einzelfall zu prüfen.
  • Bestandsführung: Erfassen Sie, wie viele Behälter ausgehen und zurückkommen. Ohne diese Liste lässt sich keine Erleichterung belegen.

Mehr zum Verfahren: Vorübergehende Einfuhr nach Großbritannien.

Schritt 5: Wer ist Einführer? DAP oder DDP

In Großbritannien braucht jede Einfuhr einen Einführer (Importer of Record) mit GB-EORI. Bei DAP übernimmt meist der britische Kunde die Einfuhrabfertigung, den Zoll und die Einfuhrumsatzsteuer. Bei DDP tragen Sie als Lieferant diese Pflichten. Dann brauchen Sie selbst eine GB-EORI und sollten die britische Umsatzsteuer vorab klären. Vergleich der Klauseln: DDP, DAP und EXW im Handel mit UK. Zur EORI: Wann brauchen Sie eine EORI-Nummer?

Schritt 6: Unterlagen für jede Sendung

  1. Handelsrechnung mit genauer Warenbeschreibung, Warennummer, Wert und Lieferbedingung (Handelsrechnung für UK)
  2. Packliste mit Stückzahl, Gewicht und Packstücken (Packliste – Muster)
  3. Erklärung zum Ursprung oder Unterlagen zur Ursprungskalkulation
  4. EORI-Nummern von Ausführer und Einführer sowie Vertretungsvollmacht
  5. Bei Bedarf Konformitätsnachweise und Unterlagen zu Mehrwegbehältern

Die vollständige Liste finden Sie in der Dokumente-Checkliste für die Ausfuhr nach Großbritannien. Die Einfuhranmeldung wird im britischen System CDS abgegeben (Customs Declaration Service).

Schritt 7: Transport, GMR und Just-in-Time-Lieferungen absichern

Für Lkw über RoRo-Häfen und den Eurotunnel braucht der Transport eine Goods Movement Reference (GMR) aus dem britischen System GVMS. Die GMR verknüpft die Zollanmeldungen mit dem Fahrzeug. Sie wird vor der Abfahrt erstellt. Anleitung: GMR-Nummer und GVMS.

Bei Just-in-Time-Lieferungen an britische Werke kosten Rückfragen am Grenzübergang Zeit. Diese Punkte helfen:

  • Stammdaten pro Teil festlegen: Beschreibung, Warennummer, Ursprung, Gewicht.
  • Rollen schriftlich klären: Wer meldet aus, wer ist Einführer, wer erstellt die GMR?
  • Für regelmäßige Lieferungen prüfen, ob ein AEO-Status oder vereinfachte Verfahren sinnvoll sind. Für Automobilzulieferer ist der AEO-Status oft ein wichtiger Baustein, um Erleichterungen zu nutzen.
  • Unterlagen vor der Verladung an beide Zollvertreter senden, nicht erst bei Ankunft.

Schritt 8: Einfuhrumsatzsteuer und Postponed VAT Accounting

Bei der Einfuhr nach Großbritannien fällt britische Einfuhrumsatzsteuer (Import VAT) an. Ein für die britische Umsatzsteuer registrierter Einführer kann sie über Postponed VAT Accounting (PVA) in seiner VAT-Erklärung abrechnen, statt sie an der Grenze zu zahlen. Quelle: Check when you can account for import VAT on your VAT Return. Mehr: Postponed VAT Accounting erklärt. Allgemeine Informationen zur Einfuhr: Import goods into the UK.

Schritt 9: Ausfuhr auf EU-Seite

Die Ausfuhranmeldung in der EU gibt der Ausführer oder ein von ihm beauftragter Zollvertreter im Herkunftsland ab. Erst mit der Ausfuhr und dem Ausgangsnachweis ist die EU-Seite abgeschlossen. Easy Clearance übernimmt diese Anmeldung nicht. Informationen der Europäischen Kommission: Customs procedures.

Checkliste: Kfz-Teile nach Großbritannien verkaufen

  1. Britische Warennummer und Zollsatz im UK Trade Tariff prüfen.
  2. Ursprungsregel für jede Warennummer prüfen und Kalkulation dokumentieren.
  3. Erklärung zum Ursprung vorbereiten, bei Bedarf mit REX-Nummer.
  4. Mit dem Kunden klären, ob UKCA, CE oder andere Nachweise verlangt werden.
  5. Lösung für Gitterboxen und KLT festlegen und Bestandsliste führen.
  6. Lieferbedingung festlegen: DAP oder DDP, und den Einführer benennen.
  7. Handelsrechnung, Packliste und EORI-Nummern vollständig vorbereiten.
  8. Ausfuhranmeldung in der EU über Ihren Zollvertreter beauftragen.
  9. Britische Einfuhranmeldung und GMR vor der Abfahrt sicherstellen.
  10. Einfuhrumsatzsteuer klären, gegebenenfalls über PVA.

Häufige Fragen

Welche Zölle fallen für Kfz-Teile aus der EU in Großbritannien an?

Erfüllt das Teil die Ursprungsregeln des EU-UK-Handelsabkommens und wird der Ursprung nachgewiesen, ist der Zollsatz 0 %. Sonst gilt der Satz des UK Global Tariff für die jeweilige Warennummer. Prüfen Sie ihn im UK Trade Tariff.

Wie belege ich den Präferenzursprung für Autoteile?

Meist mit einer Erklärung zum Ursprung auf der Handelsrechnung, für höherwertige Sendungen mit REX-Nummer. Grundlage ist eine dokumentierte Ursprungskalkulation nach der Listenregel des Teils. Alternativ kann der Einführer sich auf eigene Kenntnisse stützen.

Brauche ich UKCA oder reicht CE bei Fahrzeugteilen?

Großbritannien erkennt CE für die Produkte im UKCA-Rahmen weiterhin an. Viele Fahrzeugteile unterliegen aber eigenen fahrzeugtechnischen Vorschriften. Klären Sie die geforderten Nachweise mit dem Kunden.

Wie behandle ich Mehrwegverpackungen zollrechtlich?

Wiederverwendbare Verpackungen und Paletten können in die vorübergehende Verwendung überführt werden. Mündliche Anmeldungen sind an RoRo-Standorten wie Dover nicht möglich. Führen Sie eine Bestandsliste der Behälter.

Wie sichere ich Just-in-Time-Lieferungen zollseitig ab?

Mit festen Stammdaten pro Teil, klaren Rollen, Unterlagen vor der Verladung und einer GMR vor der Abfahrt. Bei regelmäßigen Lieferungen lohnt die Prüfung von AEO-Status und vereinfachten Verfahren.

Welche Anmeldungen brauche ich?

EORI-Nummern für Ausführer und Einführer, eine Ausfuhranmeldung in der EU, eine Einfuhranmeldung in Großbritannien und eine GMR für Lkw über RoRo-Strecken. Je nach Route kommen Sicherheitsangaben hinzu, die der Beförderer oder Vertreter abgibt.

Wie Easy Clearance auf britischer Seite hilft

Easy Clearance ist eine in CDS registrierte britische Zollagentur mit UK-EORI. Wir übernehmen die Einfuhranmeldung in Großbritannien, prüfen die Daten zur Warennummer und zum Ursprungsnachweis und stimmen die GMR mit Spediteur und Kunde ab. Die Ausfuhranmeldung in der EU erledigt Ihr Zollvertreter vor Ort.

Beschreiben Sie Ihre Teile, die Route und die Lieferbedingung. Unsere Leistungen für Exporteure finden Sie unter Zollabwicklung für die Ausfuhr nach Großbritannien. Ihre Anfrage senden Sie über das Kontaktformular oder per WhatsApp.

Offizielle Quellen

Hinweis: Die Informationen dienen der allgemeinen und operativen Orientierung. Sie ersetzen keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung.

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