Produktleitfaden · Kosmetik für den britischen Markt
Kosmetik nach Großbritannien verkaufen: SCPN, UK Responsible Person und Zoll
Sie stellen Kosmetik in Deutschland oder Österreich her und wollen in Großbritannien verkaufen? Dann brauchen Sie zwei Dinge: eine korrekte Zollabwicklung und die Erfüllung der britischen Kosmetikregeln. Dieser Leitfaden zeigt die Schritte der Reihe nach.
Autor: Paweł Raczkowski, Easy Clearance. Stand: Oktober 2026; Kosmetikregeln und Zolltarif mit gov.uk abgeglichen.
Den allgemeinen Ablauf einer Lieferung nach Großbritannien erklärt unser Leitfaden „Export nach England: Zoll Schritt für Schritt“. Hier geht es um das, was bei Kosmetikprodukten zusätzlich gilt.
Kurz erklärt: Welche Voraussetzungen gelten, um Kosmetik in Großbritannien zu verkaufen?
Großbritannien (England, Schottland, Wales) hat seit dem Brexit eigene Regeln für Kosmetik. Für den Verkauf brauchen Sie:
- eine Responsible Person (RP) mit Adresse im Vereinigten Königreich,
- eine SCPN-Notifizierung bei der britischen Behörde OPSS, bevor das Produkt in GB angeboten wird,
- eine Produktinformationsdatei (PIF) auf Englisch mit Sicherheitsbericht,
- eine Kennzeichnung nach britischen Vorgaben,
- und für die Ware selbst: Zolltarifnummer, Zollanmeldung und Einfuhrumsatzsteuer.
Checkliste: Kosmetik nach Großbritannien in 9 Schritten
- Zolltarifnummer (Kapitel 33) bestimmen und Zollsatz im UK Trade Tariff prüfen.
- Ursprung klären und Ursprungserklärung für das Handelsabkommen EU–UK vorbereiten.
- UK Responsible Person benennen, Sicherheitsbericht und PIF erstellen, SCPN-Anmeldung einreichen, Etikett anpassen.
- Festlegen, wer in Großbritannien Einführer (Importer of Record) ist: DAP oder DDP.
- Dokumente vorbereiten: Handelsrechnung, Packliste, Nachweise.
- Transport planen und GMR über GVMS anlegen lassen.
- Einfuhrumsatzsteuer klären, zum Beispiel über Postponed VAT Accounting.
- Ausfuhranmeldung in der EU durch einen lokalen Zollagenten.
- Britische Einfuhrabfertigung mit Easy Clearance abstimmen.
Schritt 1: Kosmetik Zolltarifnummer Kapitel 33 und Zollsatz
Kosmetik gehört im britischen Zolltarif zu Kapitel 33 („Ätherische Öle und Resinoide; zubereitete Riech-, Körperpflege- oder Schönheitsmittel“). Die wichtigsten Positionen sind:
- 3303 – Parfüms und Toilettenwasser,
- 3304 – Schönheits-, Make-up- und Hautpflegemittel, auch Sonnenschutz sowie Maniküre- und Pediküremittel (z. B. 3304.10 Lippen-Make-up, 3304.20 Augen-Make-up, 3304.30 Maniküre/Pediküre, 3304.91 Puder, 3304.99 andere),
- 3305 – Haarpflegemittel (z. B. 3305.10 Shampoos, 3305.20 Dauerwellmittel, 3305.90 andere),
- 3306 – Mund- und Zahnpflegemittel,
- 3307 – Rasiermittel, Deodorants (3307.20), Badezusätze (3307.30) und andere Körperpflegemittel.
Den Zollsatz prüfen Sie für Ihre genaue zehnstellige Warennummer im UK Trade Tariff. Bei unserer Prüfung im Oktober 2026 lag der Drittlandszollsatz zum Beispiel für 3304990000 (andere Schönheitsmittel) und 3305100000 (Shampoos) bei 0 %. Das gilt nicht automatisch für jede Nummer. Wie Sie die richtige Nummer finden, erklärt der Artikel Zolltarifnummer Großbritannien finden.
Schritt 2: Ursprung und 0 % Zoll nach dem Handelsabkommen EU–UK
Das Handels- und Kooperationsabkommen (TCA) zwischen EU und UK erlaubt 0 % Zoll für Waren mit EU-Ursprung. Voraussetzung: Die Ursprungsregeln sind erfüllt und eine Ursprungserklärung liegt vor, meist auf der Handelsrechnung. Ab bestimmten Warenwerten braucht der Ausführer dafür eine REX-Registrierung. Details: Ursprungserklärung REX: Wortlaut und Pflicht.
Ist der Drittlandszollsatz für Ihre Nummer bereits 0 %, spielt die Präferenz für den Zoll keine Rolle. Die Ursprungsangaben müssen trotzdem stimmen.
Schritt 3: Britische Kosmetikregeln
Brauche ich eine UK Responsible Person mit Sitz in Großbritannien?
Ja. Laut gov.uk muss die Responsible Person eine im Vereinigten Königreich ansässige Adresse haben, um Kosmetik in GB anzubieten. Eine Weiterleitungsadresse oder ein Postfach reicht nicht. Die RP kann der Hersteller, der Importeur, ein Händler mit eigener Marke oder eine vom Hersteller oder Importeur beauftragte Firma oder Person sein. Ein Hersteller ohne Sitz im UK muss also eine RP im UK benennen, etwa seinen Importeur, Händler oder einen spezialisierten Dienstleister.
Was ist die SCPN-Anmeldung und wann muss sie erfolgen?
SCPN steht für „Submit cosmetic product notifications“. Über diesen Dienst meldet die RP das Produkt beim Office for Product Safety and Standards (OPSS). Die Meldung muss erfolgen, bevor das Produkt in GB angeboten wird. Für bestimmte Nanomaterialien gilt eine zusätzliche Meldepflicht.
Reicht die CPNP-Notifizierung der EU für den UK-Markt?
Nein. Das CPNP ist das System der EU. Für Großbritannien verlangt gov.uk eine eigene Meldung durch die UK Responsible Person über SCPN. Für Nordirland gelten andere Regeln: Dort muss die RP in Nordirland oder in der EU ansässig sein.
Sicherheitsbericht und Produktinformationsdatei
Vor dem Verkauf muss ein qualifizierter Sicherheitsbewerter die Sicherheit des Produkts prüfen. Der Sicherheitsbericht hat zwei Teile: Teil A mit den Sicherheitsinformationen (von der RP) und Teil B mit der Sicherheitsbewertung (vom Bewerter, z. B. mit Abschluss in Pharmazie, Toxikologie oder Medizin). Die RP führt für jedes Produkt eine PIF auf Englisch. Sie enthält Produktbeschreibung, Sicherheitsbericht, Nachweis guter Herstellungspraxis (z. B. nach ISO 22716) und Belege für die beworbene Wirkung. Die PIF ist 10 Jahre nach dem letzten in Verkehr gebrachten Los aufzubewahren. Ob ein bestehender EU-Sicherheitsbericht als Grundlage dienen kann, klären Sie mit Ihrem Sicherheitsbewerter.
Welche Kennzeichnungspflichten gelten?
Das Etikett muss gut lesbar sein. Auf Behälter und Verpackung gehören laut gov.uk:
- Name und Adresse der UK Responsible Person,
- Ursprungsland bei eingeführten Produkten,
- Gewicht oder Volumen (z. B. 50 ml),
- Haltbarkeits- bzw. Verwendungsangabe,
- Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung,
- Chargen- oder Identifikationsnummer,
- Zweck des Produkts,
- Liste der Bestandteile (darf nur auf der Umverpackung stehen); Nanomaterialien mit dem Zusatz „(nano)“.
Planen Sie die Angaben auf Englisch ein. Ein Etikett nur auf Deutsch passt nicht für den britischen Markt.
UK REACH und Kosmetik
UK REACH regelt chemische Stoffe in Großbritannien. Registrierungspflichten treffen Unternehmen mit Sitz in GB, etwa den Importeur von Stoffen, auch in Gemischen, ab einer Menge von 1 Tonne pro Jahr. Klären Sie mit Ihrem britischen Importeur, wer diese Pflicht übernimmt. Die Abwicklung läuft über den Dienst „Comply with UK REACH“ der HSE.
UKCA bei Kosmetik?
Kosmetische Mittel selbst tragen keine UKCA-Kennzeichnung. Für sie gelten die Kosmetikregeln oben. Verkaufen Sie zusätzlich elektrische Geräte, etwa Gesichtsbürsten, gelten dafür eigene Produktsicherheitsregeln. Mehr dazu im Artikel UKCA-Kennzeichnung: Pflicht? Gilt CE weiter?
Schritt 4: Wer ist der Einführer – DAP oder DDP?
Die Einfuhr nach GB meldet ein Importer of Record an. Bei DAP ist das meist Ihr britischer Kunde oder Händler. Bei DDP übernehmen Sie als Verkäufer Zoll und Einfuhrumsatzsteuer in GB. Dafür brauchen Sie in der Regel eine GB-EORI und oft eine britische VAT-Registrierung. Die Rolle des Einführers ist unabhängig von der Rolle der Responsible Person. Mehr dazu: Importer of Record Großbritannien und DDP, DAP, EXW im UK-Handel.
Sie verkaufen direkt an Endkunden? Dann lesen Sie auch Verkauf nach Großbritannien: Mehrwertsteuer bei Onlineverkäufen.
Schritt 5: Dokumente für Kosmetikprodukte
- Handelsrechnung: Verkäufer und Käufer mit EORI, genaue Warenbeschreibung (z. B. „Feuchtigkeitscreme, 50 ml“), Warennummer, Menge, Preis, Lieferbedingung (Incoterms) und Ursprungserklärung. Siehe Handelsrechnung für UK.
- Packliste: Packstücke, Gewichte, Inhalt. Siehe Packliste Export Großbritannien.
- Nachweise zur Kosmetik: Bestätigung der SCPN-Meldung und Kontaktdaten der RP. Sicherheitsbericht und PIF hält die RP bereit.
Schritt 6: Transport, GMR und GVMS
Für Lkw-Verkehre über Häfen mit dem Goods Vehicle Movement Service braucht der Fahrer eine Goods Movement Reference (GMR). Sie verknüpft die Zollanmeldungen mit dem Fahrzeug. Die GMR legt meist der Spediteur an. Anleitung: GMR-Nummer erstellen.
Schritt 7: Einfuhrumsatzsteuer und Postponed VAT Accounting
Bei der Einfuhr fällt britische Einfuhrumsatzsteuer (import VAT) an. Ein in GB für VAT registrierter Einführer kann sie mit Postponed VAT Accounting in der VAT-Erklärung abrechnen, statt sie an der Grenze zu zahlen. Mehr: Postponed VAT Accounting.
Schritt 8: Die Ausfuhr aus der EU
Auf der EU-Seite reicht ein lokaler Zollagent oder Ihr Spediteur die Ausfuhranmeldung ein. Erst mit der Ausfuhrbestätigung ist die Lieferung auf der EU-Seite sauber dokumentiert. Easy Clearance übernimmt die britische Seite, nicht die Ausfuhranmeldung in der EU.
Typische Fehler beim Kosmetikexport nach Großbritannien
- Keine RP im UK: Ohne britische Adresse der RP darf das Produkt nicht in GB angeboten werden.
- Nur CPNP gemeldet: Die EU-Meldung ersetzt die SCPN-Meldung nicht.
- Etikett ohne RP-Adresse oder nur auf Deutsch: Etikett vor dem Versand anpassen.
- Fehlender Sicherheitsbericht: Ohne Bewertung durch einen qualifizierten Bewerter keine Bereitstellung in GB.
- Falsche Warennummer: Position in Kapitel 33 für jedes Produkt einzeln prüfen.
Schritt 9: So hilft Easy Clearance auf der britischen Seite
Easy Clearance ist eine im britischen CDS registrierte Zollagentur mit UK-EORI. Wir übernehmen die Einfuhrabfertigung in Großbritannien: Prüfung von Warennummer und Zollsatz, Prüfung der Unterlagen, Einfuhranmeldung im CDS und Abstimmung zur GMR. Die Aufgaben der Responsible Person und die SCPN-Meldung übernimmt Ihre RP. Die Ausfuhranmeldung in der EU erstellt Ihr lokaler Zollagent.
Mehr zu unserem Leistungsumfang finden Sie auf der Seite Ausfuhr nach Großbritannien: Zollabwicklung. Für eine konkrete Lieferung nutzen Sie das Kontaktformular. Nennen Sie Produkte, Warennummern, Menge, Route und Lieferbedingung.
Häufige Fragen
Brauche ich als deutscher Hersteller eine UK Responsible Person?
Ja. Die RP muss eine im Vereinigten Königreich ansässige Adresse haben. Ohne eigene Niederlassung im UK benennen Sie eine RP, etwa Ihren Importeur, Händler oder einen Dienstleister.
Wann muss die SCPN-Anmeldung erfolgen?
Bevor das Produkt in Großbritannien angeboten wird. Die Meldung reicht die Responsible Person über den SCPN-Dienst bei der OPSS ein.
Reicht die CPNP-Notifizierung der EU für den UK-Markt?
Nein. Für Großbritannien ist eine eigene SCPN-Meldung nötig. Für Nordirland gelten gesonderte Regeln.
Welche Zolltarifnummer gilt für Kosmetik?
Kosmetik fällt meist unter Kapitel 33, vor allem die Positionen 3303 bis 3307. Die genaue Nummer und den Zollsatz prüfen Sie im UK Trade Tariff.
Wie hoch sind Zoll und Einfuhrumsatzsteuer?
Der Zollsatz hängt von der Warennummer ab; für viele Kosmetiknummern liegt der Drittlandszollsatz bei 0 %, und Waren mit EU-Ursprung können nach dem TCA zollfrei sein. Einfuhrumsatzsteuer fällt zusätzlich an; VAT-registrierte Einführer können Postponed VAT Accounting nutzen.
Offizielle Quellen
- GOV.UK: Kosmetik in Großbritannien bereitstellen (EN)
- UK Trade Tariff: Kapitel 33 (EN)
- GOV.UK: Comply with UK REACH (EN)
- GOV.UK: Waren in das UK einführen (EN)
- GOV.UK: Customs Declaration Service (EN)
Hinweis: Die Informationen dienen der allgemeinen Orientierung. Sie ersetzen keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung.