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Außenhandelsstatistik · Vereinigtes Königreich

Intrastat Großbritannien nach dem Brexit: Was gilt für Nordirland?

Seit dem 1. Januar 2021 ist Großbritannien nicht mehr Teil des EU-Intrastat-Systems. Für Lieferungen aus Deutschland oder Österreich nach England, Schottland und Wales gibt es deshalb keine Intrastat-Meldung mehr – an ihre Stelle tritt die Zollanmeldung mit MRN. Eine wichtige Ausnahme ist Nordirland: Für den Warenverkehr zwischen Nordirland und der EU gilt Intrastat laut GOV.UK weiterhin.

Redaktion: easyclearance.pl (EN). Deutsche, für Unternehmen in Deutschland und Österreich angepasste Fassung der englischen Ausgangsseite (Originalfassung vom 15. April 2026). Der Abschnitt zu Nordirland beruht auf der aktuellen GOV.UK-Seite zu Intrastat.

Kurz gesagt: Im Handel zwischen der EU und Großbritannien werden keine Intrastat-Meldungen mehr abgegeben. Jede Sendung braucht stattdessen eine vollständige Zollabfertigung – auf EU-Seite eine Ausfuhr- bzw. Einfuhranmeldung, auf britischer Seite eine Anmeldung im Customs Declaration Service (CDS). Für den Handel mit den übrigen EU-Staaten und mit Nordirland bleibt Intrastat bestehen.

Was ist Intrastat – und warum galt es früher für Großbritannien?

Intrastat ist das EU-System zur statistischen Erfassung des Warenverkehrs zwischen den Mitgliedstaaten (Intrahandelsstatistik). Meldepflichtig sind Unternehmen, deren Versendungen oder Eingänge aus bzw. in andere EU-Staaten eine jährliche Wertschwelle überschreiten. Die Schwellenwerte und Meldefristen legt jeder Mitgliedstaat selbst fest – in Deutschland gelten die Vorgaben von Destatis, in Österreich die von Statistik Austria.

Vor dem Brexit war das Vereinigte Königreich vollwertiges EU-Mitglied. Lieferungen dorthin waren innergemeinschaftliche Lieferungen, Bezüge von dort innergemeinschaftliche Erwerbe. Beide fielen – oberhalb der Schwelle – unter Intrastat, und Zölle wurden nicht erhoben.

Intrastat Brexit: Was hat sich seit dem 1. Januar 2021 geändert?

Mit dem Ende der Brexit-Übergangsphase am 31. Dezember 2020 schied Großbritannien aus dem EU-Binnenmarkt und damit aus Intrastat aus. Die Folgen für die Meldepflicht traten sofort ein:

  • Versendungen nach Großbritannien sind keine innergemeinschaftlichen Lieferungen mehr, sondern Ausfuhren in ein Drittland. Erforderlich ist eine Ausfuhranmeldung im nationalen Ausfuhrsystem.
  • Eingänge aus Großbritannien sind keine innergemeinschaftlichen Erwerbe mehr, sondern Einfuhren aus einem Drittland – mit Einfuhrabfertigung, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer.
  • Intrastat-Meldungen für Großbritannien werden seit Januar 2021 nicht mehr abgegeben. Intrastat betrifft nur noch den Handel mit EU-Staaten – und den Sonderfall Nordirland (siehe unten).

Intrastat Meldung Großbritannien: Was ersetzt sie?

Auf britischer Seite: Zollanmeldungen im CDS

Großbritannien nutzt für Zollanmeldungen den Customs Declaration Service (CDS). Für den Handel von Großbritannien mit der EU ersetzt dieser die frühere Intrastat-Statistik. Jede gewerbliche Sendung zwischen der EU und Großbritannien braucht auf britischer Seite eine vollständige Zollanmeldung:

  • Einfuhr nach Großbritannien: Einfuhranmeldung mit MRN, Zoll nach dem UK Global Tariff und britische Einfuhrumsatzsteuer (import VAT).
  • Ausfuhr aus Großbritannien in die EU: Ausfuhranmeldung mit eigener MRN, die als Ausfuhrnachweis für die Umsatzsteuer dient.

Die Daten aus diesen Zollanmeldungen fließen in die britische Außenhandelsstatistik. HMRC veröffentlicht sie auf UK Trade Info (Englisch). Mehr zum britischen System: CDS-Zollanmeldung in Großbritannien.

Auf EU-Seite: Ausfuhr- und Einfuhranmeldung

Für Geschäfte mit Großbritannien muss das Unternehmen in Deutschland oder Österreich (oder sein Zolldienstleister) Folgendes abgeben:

  • Ausfuhr nach Großbritannien: eine Ausfuhranmeldung. Nach der Annahme erzeugt das System eine MRN (Movement Reference Number); mehr dazu unter Was ist eine MRN?. Nach der Ausgangsbestätigung (Nachricht IE599) kann der Ausführer die Umsatzsteuerbefreiung für Ausfuhrlieferungen in Anspruch nehmen.
  • Einfuhr aus Großbritannien: eine Einfuhranmeldung mit Zoll nach dem Gemeinsamen Zolltarif der EU und Einfuhrumsatzsteuer.

Fehler in der Zollanmeldung können dazu führen, dass Waren aufgehalten werden, Sanktionen drohen oder der Vorsteuerabzug verloren geht. Ohne eigene Erfahrung mit Zollabfertigungen lohnt es sich, einen auf den Handel EU–UK spezialisierten Zolldienstleister einzubinden.

Intrastat Nordirland: Hier gilt die Meldepflicht weiter

Nordirland ist im Warenverkehr ein Sonderfall. Laut der GOV.UK-Seite Trading goods with the EU: when to declare using Intrastat (Englisch) gilt Intrastat weiterhin für Waren, die zwischen Nordirland und der EU bewegt werden. Nicht nötig ist Intrastat dagegen für Waren zwischen Großbritannien (England, Wales, Schottland) und der EU sowie zwischen Großbritannien und Nordirland.

Auf britischer Seite müssen sich Unternehmen für Intrastat registrieren, wenn sie in einem Kalenderjahr (1. Januar bis 31. Dezember):

  • Waren im Wert von mehr als 500.000 GBP aus der EU nach Nordirland erhalten (Eingänge) oder
  • Waren im Wert von mehr als 250.000 GBP von Nordirland in die EU versenden (Versendungen).

Nach der Registrierung sind monatliche Intrastat-Meldungen abzugeben. Registrierung und Meldung laufen über UK Trade Info; die Einzelheiten beschreibt GOV.UK unter Make an Intrastat declaration (Englisch).

Für Unternehmen in Deutschland und Österreich heißt das: Lieferungen nach Nordirland sind statistisch anders zu behandeln als Lieferungen nach England, Schottland oder Wales. Ob und wie sie in Ihrer eigenen Intrastat-Meldung erscheinen, richtet sich nach den nationalen Vorgaben – prüfen Sie diese bei Destatis bzw. Statistik Austria.

Intrastat Meldung Nordirland: Ländercode XI

Im Brexit-Kontext steht der Code XI für Nordirland; für Großbritannien ohne Nordirland wird XU verwendet. Wichtig ist deshalb, Empfänger in Nordirland in den Stammdaten sauber von Empfängern in Großbritannien zu trennen. Welcher Partnerlandcode in Ihrer deutschen oder österreichischen Intrastat-Meldung konkret einzutragen ist, bestätigt die zuständige Statistikbehörde.

Was gilt weiterhin für Unternehmen in der EU?

Intrastat im EU-Handel – unverändert Pflicht

Der Handel mit den übrigen 26 EU-Mitgliedstaaten unterliegt weiterhin Intrastat. Wer etwa nach Polen, Frankreich oder in die Niederlande liefert und die nationalen Schwellen überschreitet, bleibt wie bisher meldepflichtig.

Praktische Folgen für Lieferungen nach Großbritannien

Unternehmen, die vor 2021 ohne Zollformalitäten nach Großbritannien geliefert haben, mussten ihre Abläufe anpassen:

  • Abfertigungszeit: Früher gab es gar kein Verfahren; heute dauert die Abfertigung je nach Verfahren einige Stunden (vereinfachtes Verfahren) bis mehrere Tage (Standardverfahren).
  • Abgaben: britischer Einfuhrzoll nach dem UK Global Tariff – für Waren mit EU-Ursprung 0 % nach dem Handels- und Kooperationsabkommen (TCA), sofern die Ursprungsregeln erfüllt und nachgewiesen sind – sowie britische Einfuhrumsatzsteuer und Kosten des Zolldienstleisters.
  • Unterlagen: Handelsrechnung, Packliste, Erklärung zum Ursprung (wenn die Ware die TCA-Ursprungsregeln erfüllt) und gegebenenfalls besondere Zeugnisse (z. B. veterinär- oder pflanzengesundheitliche).
  • EORI: Der Ausführer in der EU braucht eine EU-EORI-Nummer, der britische Einführer eine GB-EORI-Nummer.

Intrahandelsstatistik nach dem Brexit: Wo finde ich Daten zum Handel mit Großbritannien?

Seit dem Austritt aus Intrastat stellt HMRC die britische Handelsstatistik über das Portal UK Trade Info bereit. Dort finden Sie unter anderem:

  • Wert und Menge der britischen Ein- und Ausfuhren mit einzelnen Ländern (auch Deutschland und Österreich),
  • Daten nach CN-/HS-Codes – welche Warengruppen den Handel prägen,
  • monatliche Entwicklungen, nützlich für Marktanalysen und Expansionsplanung.

Auf EU-Seite erscheint der Handel mit Großbritannien in der nationalen Außenhandelsstatistik (in Deutschland bei Destatis, in Österreich bei Statistik Austria) und bei Eurostat als Handel mit einem Drittland.

Praxistipps für den Warenverkehr mit Großbritannien

  • EORI-Nummer prüfen: Für die Zollabfertigung brauchen sowohl Ihr Unternehmen (EU-EORI) als auch Ihr britischer Partner (GB-EORI) eine EORI-Nummer. Siehe EORI-Nummer: Beantragung und Verwendung.
  • Warentarifnummer klären: Jede Ware braucht einen HS- bzw. CN-Code. Er bestimmt den Zollsatz und mögliche Bescheinigungspflichten. Mehr dazu: HS-Code und CN-Klassifizierung.
  • TCA-Ursprungsregeln prüfen: Erfüllt die Ware die Ursprungsregeln des Abkommens zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich, beträgt der Zollsatz 0 %. Ohne Ursprungserklärung zahlt der Einführer den vollen Drittlandszoll. Siehe Zollpräferenzen nach dem TCA.
  • Handelsrechnung anpassen: Sie muss Wert, Warenbeschreibung, HS-Code, Ursprungsland und Lieferbedingung (Incoterms) enthalten. Mehr dazu: Handelsrechnung für Großbritannien.
  • Nordirland gesondert erfassen: Kunden in Nordirland (XI) in den Stammdaten von Kunden in Großbritannien trennen, damit Intrastat- und Zollprozesse richtig zugeordnet werden.
  • Zeit und Kosten einplanen: Abfertigungsdauer und Kosten des Zolldienstleisters in die Frachtkalkulation einbeziehen.

Häufige Fragen zu Intrastat und Großbritannien

Muss ich Lieferungen nach Großbritannien noch per Intrastat melden?

Nein. Seit dem 1. Januar 2021 ist Großbritannien (England, Schottland, Wales) nicht mehr Teil des EU-Intrastat-Systems. Lieferungen dorthin sind Ausfuhren in ein Drittland: Statt einer Intrastat-Meldung ist eine Ausfuhranmeldung nötig, die eine MRN erzeugt. Intrastat-pflichtig bleibt nur der Warenverkehr mit den übrigen 26 EU-Mitgliedstaaten – und, als Sonderfall, mit Nordirland.

Gilt Intrastat weiterhin für Nordirland?

Ja. Laut GOV.UK gilt Intrastat weiterhin für Waren, die zwischen Nordirland und der EU bewegt werden. Auf britischer Seite müssen sich Unternehmen registrieren, wenn sie in einem Kalenderjahr Waren im Wert von mehr als 500.000 GBP aus der EU nach Nordirland erhalten oder Waren im Wert von mehr als 250.000 GBP von Nordirland in die EU versenden; danach sind monatliche Meldungen abzugeben. Für Bewegungen zwischen Großbritannien und Nordirland ist kein Intrastat nötig.

Welcher Ländercode gilt für Nordirland?

Im Brexit-Kontext steht der Code XI für Nordirland; für Großbritannien ohne Nordirland wird XU verwendet. Welcher Partnerlandcode in Ihrer deutschen oder österreichischen Intrastat-Meldung einzutragen ist, sollten Sie in den aktuellen Vorgaben von Destatis bzw. Statistik Austria prüfen.

Was ersetzt Intrastat im Warenverkehr mit Großbritannien?

Die Zollanmeldung. Auf EU-Seite ist bei der Ausfuhr eine Ausfuhranmeldung (MRN, Ausgangsbestätigung IE599) und bei der Einfuhr eine Einfuhranmeldung mit Zoll und Einfuhrumsatzsteuer nötig. Auf britischer Seite werden Einfuhren und Ausfuhren im Customs Declaration Service (CDS) angemeldet; die Daten aus diesen Anmeldungen ersetzen in Großbritannien die frühere Intrastat-Statistik.

Was ist UK Trade Info?

UK Trade Info (uktradeinfo.com) ist das Statistikportal von HMRC. Es stellt Daten zum britischen Außenhandel mit einzelnen Ländern bereit, auch nach CN-/HS-Codes, und ist öffentlich und kostenlos. Über UK Trade Info erfolgt außerdem die Intrastat-Registrierung für den Warenverkehr zwischen Nordirland und der EU.

Offizielle Quellen

Unterstützung bei der Zollabfertigung mit Großbritannien

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Hinweis: Die Informationen dienen der allgemeinen und operativen Orientierung und beruhen auf den oben genannten offiziellen Hinweisen von GOV.UK/HMRC (geprüft im Oktober 2026). Sie sind keine verbindliche Auskunft der Behörden und ersetzen keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung.

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